Lebensraummosaik für Arten offener Wasserflächen und schlammiger Uferfluren neu geschaffen

Ganz im Osten der unneraner Lippeaue gibt es da diese Halbinsel. Unzugänglich, aber einsehbar für Jedermann (oder jede Frau). Engelwurz, Beinwell und Bocksbart wachsen dort auf einer Magerwiese. Lautstark ertönt der Paarungsruf zahlloser Wasserfrösche aus einem Altwasser. Und dann gibt es dort noch dieses sehr, sehr flache Stillgewässer, mit dieser klitzekleinen offenen und schlammigen Uferflur. Direkt an das Altwasser angrenzend. Dort, wo fast täglich Graugans, Höckerschwan und Blässhuhn vom anderen Ufer aus zu sehen sind und wo ab und an mal zu Zeiten des Vogelzuges sich seltene Watvögel niederlassen. Watvögel. Die Arten, die meist mit langen Beinen im Wasser stehen und im weichen Schlamm nach Nahrung suchen. Diejenigen, die es gerne störungsarm haben und einen guten Überblick brauchen, um Feinde schneller zu sehen (als diese sie).  

Neben dieses sehr, sehr flache Gewässer hat nun der Kreis Unna noch ein Gewässer gebaggert. Eines mit Insel. Mit Insel – für Wasservögel um sich dort auszuruhen und im besten Falle, um dort ungestört zu brüten (denken Sie an die Fressfeinde!). Und … diese beiden Gewässer haben eine richtig große offene und schlammige Uferflur bekommen. Watvögel mögen es zu Zugzeiten danken. Zu Brutzeiten lässt es  sich dort natürlich auch prima auf Nahrungssuche gehen.

aus kleiner schlammiger Uferflur mach große schlammige Uferflur (ca. 10 cm über "Normalwasserstand" des Altwassers)
aus kleiner schlammiger Uferflur mach große schlammige Uferflur (ca. 10 cm über “Normalwasserstand” des Altwassers)
mit Nivelliergerät und Feingefühl in der Baggerschaufel wird das neue Gewässer ringförmig um eine flache Insellage gezogen
mit Nivelliergerät und Feingefühl in der Baggerschaufel wird das neue Gewässer ringförmig um eine flache Insellage gezogen
nur durch eine starke Pumpe sind die Arbeiten am neuen Lebensraumkomplex auf der Halbinsel südlich des Gersteinkraftwerkes überhaupt möglich

Neu geschaffen wurde auf kleinem Raum ein Gewässer-Offenland-Komplex, der viele Strukturen miteinander vereint, die heute in unserer „Normallandschaft“ selten geworden sind (einzeln und erst recht in Kombination).

Da uns aktuell zahlreiche Badeanfragen erreichen, …

möchten wir Sie auf diesem Wege nocheinmal darauf hinweisen, dass das Baden in Gewässern die innerhalb der Naturschutzgebiete des Kreises Unna, der Stadt Dortmund und der Stadt Hamm liegen, nicht erlaubt ist. Dies gilt für alle stehenden und fließenden Gewässer. Bitte denken Sie auch an das Wegegebot.

der Beversee in Bergkamen ist kein Badesee – aber von der neuen Aussichtsplattform am Südufer lassen sich prima Haubentaucher, Reiherente und Kormoran beobachten

Wir wünschen Ihnen, dass Sie die anstehenden heißen Tage gut überstehen werden. Bleiben Sie gesund!

Neue Gewässer für Muschel, Armleuchteralge, Libelle, Limikole, Molch und Co

Auf der Heckrindfläche bei Langern wurden durch den Kreis Unna in den vergangenen drei Wochen drei Kleingewässer entschlammt und vergrößert.

Lediglich eines der drei alten Kleingewässer führte auch noch Ende Juli 2020 Wasser. Die Überdauerungsorgane der Gelben Teichrose waren hier nur noch schwach mit Wasser überstaut. In den beiden anderen gänzlich verlandeten bzw. temporär im Winterhalbjahr wasserführenden Gewässern hatten sich mittlerweile Arten der Röhrichte und der sogenannten Flutrasen ausgebreitet. Im Laufe der vergangenen Jahre hatte sich eine bis zu einen Meter dicke Schlammschicht gebildet.

Ausgangssituation: die Gelbe Teichrose drängt sich mit dem Großen Wasserfenchel auf einen kleinen Restwasserbereich

Höchste Zeit für eine Rundumerneuerung. Ziel war die Schaffung von ganzjährig wasserführenden Vertiefungen aber auch von Flachwasserbereichen, die im Laufe der Sommermonate abtrocknen dürfen. Auch Bereiche, die nur in den Wintermonaten überstaut sein werden, waren erwünscht.

Nun dürfen die Gewässer „neu anfangen“. Die vegetationslosen Ufer stellen wertvolle Pionierstandorte dar, von denen Arten, die auf offene Bodenstellen angewiesen sind, profitieren.

eine Woche später: der Bagger formt das neue Geländerelief, die tiefsten Bereiche beginnen sich mit Grundwasser zu füllen

Die Heckrinder zogen sich während der Baggerarbeiten meist in den Südosten der Beweidungsfläche zurück. Nach Feierabend wurden die Neuausgestaltungen aber neugierig beschaut. Ihr Vertritt und Verbiss wird sicherlich dazu beitragen, dass Pioniergehölze, wie Weiden oder Schwarzerlen in den ersten Jahren nach Maßnahmenumetzung keine Chance haben werden.

weitere fünf Tage später: das größte Gewässer ist fertig gestellt

Luftpost von Omar

deine Luftpost ist ganze 15,6 Kilometer zu uns geflogen und im Naturschutzgebiet „Lippeaue von Werne bis Heil“ gelandet. Das liegt zwischen Werne und Lünen. Vielen Dank für deine Wünsche, die sicher von Herzen kamen. Wir wünschen auch dir zukünftig gute Freunde, mit denen Du auf Entdeckungstour gehen kannst und gute (Bio-)Lehrer, die dich in deinem neuen Schuljahr begleiten werden.

(Tip auch für Deine neuen BiologielehrerInnen: bei uns auf der Ökologiestation gibt es das “Umweltzentrum Westfalen“, welches als außerschulischer Standort interessante Veranstaltungen für Schüler aller Schulformen und Altersklassen anbietet – schaut mal vorbei).

Die besten Wünsche sendet dir das Team von der Biologischen Station im Kreis Unna | Dortmund.

Waldbrandgefahr auch in den Naturschutzgebieten im Kreis Unna erhöht

Waldbrände im April in Naturschutzgebieten an der niederländisch-deutschen Grenze oder im Sauerland – der trockene April hat die Waldbrandgefahr bzw. den Waldbrandgefahrenindex in die Höhe getrieben.

Nur 5 % aller Waldbrände gehen auf natürliche Ursachen zurück, vielfach ist menschliches Fehlverhalten Auslöser für einen Brand.

Auch im Kreis Unna gilt es, sich in der freien Landschaft und besonders im Wald umsichtig zu verhalten. Wir bitten darum, die Hinweise des Landesbetriebes Wald und Holz zu beachten und alles zu unterlassen, was die nach zwei regenarmen Jahren und den vergangenen trockenen Wochen bereits jetzt relativ ausgedorrten Gehölzflächen bedrohen könnte:

Hantieren sie in der freien Landschaft und besonders in den Naturschutzgebieten nicht mit Feuer, drücken Sie Ihre Zigaretten immer im Aschenbecher vollständig aus, parken Sie Ihr Auto nicht auf Graswegen und -flächen. Melden Sie Rauchentwicklung oder offenes Feuer in der Landschaft sofort der Feuerwehr unter 112.

Exkursion mit Jungjägern

Am 29. Februar lernten die diesjährigen Jagdscheinanwärter im Rahmen ihrer Ausbildung das Naturschutzgebiet Lippeaue von Werne bis Heil und vor allem die hier heimischen und rastenden Vogelarten kennen. Diese Exkursion mit anschließender Besprechung der Tierarten an Präparaten der Rollenden Waldschule findet seit einigen Jahren jährlich in Zusammenarbeit zwischen der Biologischen Station und der Kreisjägerschaft statt.

Dortmunder Vogelwelt: Alles über die Vögel Dortmunds in einem Buch

Es ist geschafft: zweieinhalb Jahre nach dem Start des Buchprojektes Dortmunder Vogelwelt liegt jetzt das Ergebnis vor: 321 nachgewiesene Vogelarten – vorgestellt in Text und Bild. Wissenswertes aus 100 Jahren zu Vorkommen, Verbreitung und Lebensräumen von Vögeln im Dortmunder Stadtgebiet. Dazu Beschreibungen von 22 spannenden Vogelbeobachtungsgebieten mit Hinweisen zu Erreichbarkeit und Vorschlägen zu Wanderrouten.

Für das Buch sind alle verfügbaren Informationen über die Vogelwelt Dortmunds der letzten rund 100 Jahre ausgewertet worden, von den ersten Veröffentlichungen um 1920 und der ersten Vogelliste 1934 über die Datensammlung der OAG Emscher-Lippe-Ruhr aus den 1950er und 1960er Jahren bis hin zu den aktuellen Beobachtungen bei ornitho.de. Allein dort finden sich aktuell fast 400.000 Einträge für unser Stadtgebiet. Insgesamt wurden schätzungsweise fast eine Million Meldungen gesichtet und analysiert, darunter die Tagebücher der verstorbenen Reinhold Neugebauer und Helmut Bunkus, die beide seit den 1960er Jahren über einen Zeitraum von mehr als 50 Jahren ihre Beobachtungen akribisch notiert haben. Damit werden nicht nur die Angaben des 2003 erschienenen und längst vergriffenen „Dortmunder Brutvogelatlas“ aktualisiert, sondern auch Durchzügler, Wintergäste und Seltenheiten beschrieben, fast immer ergänzt mit Fotos von Dortmunder NaturfotografInnen. Die Darstellung der einzelnen Arten mit ihrem Vorkommen, der Brut- und jahreszeitlichen Verbreitung, ihrer Bestandsentwicklung, Gefährdung und ihrem Schutz werden illustriert durch zahlreiche Verbreitungskarten und Durchzugsdiagramme. Damit wird das Buch zur Fundgrube für alle VogelfreundInnen, von GelegenheitsbeobachterInnen am Futterhaus im Garten über Birder bis zu hauptamtlichen NaturschützerInnen.

Hauptautoren sind Erich Kretzschmar und Benjamin Hamann-Tauber, unter der Mitarbeit von Guido Bennen, Dagmar Uttich, Robin Kretzschmar und Reinhold Neugebauer† und mit Beiträgen von Ralf Bergmann, Heinrich Blana, Bernd Gregarek, Günter Hennemann, Jan Hohmann, Peter Klausmeier, Wolfhard Koth-Hohmann, Peter Krech, Rolf Ohde, Dorothee Scharping-Hammad und Anna Stambulachis. Mehr als 30 FotografInnen lieferten ihre besten Bilder, von denen die meisten in Dortmund aufgenommen wurden.

Eine Besonderheit ist ein Kapitel mit Gebietsbeschreibungen, in dem 22 interessante Vogelbeobachtungsgebiete in Wort, Bild und Karte vorgestellt werden. Vom Groppenbruch im Norden bis zum Ruhrlauf im Süden und vom Dellwiger Bachtal im Westen bis zum Pleckenbrinksee im Osten wird das Stadtgebiet abgedeckt. Für jedes Gebiet werden die wichtigsten Lebensräume und die interessantesten Vogelarten beschrieben. Eine auch in einer Karte dargestellte Wanderroute führt die BesucherInnen zu den besten Beobachtungspunkten im Gebiet.

Das Buch umfasst stolze 448 Seiten, kostet 24,90 €, erscheint am 18.12. 2019 und ist beim NABU Dortmund und in vielen Dortmunder Buchhandlungen erhältlich.

Vogelschutzgebiet Hellwegbörde: Beschilderung der Prioritären Maßnahmenräume komplett

Die neuen Schildertafeln im Vogelschutzgebiet Hellwegbörde – hier noch mit dem zu ersetzenden separaten Hinweisschild zur Anleinpflicht

Im Vogelschutzgebiet Hellwegbörde sind im Kreis Unna jetzt die drei Prioritären Maßnahmenräume (PMR) vollständig neu ausgeschildert worden. Gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer, dem Landwirtschaftsverband und dem Kreis Unna wurden die neuen Schildertafeln von der Biostation entworfen und an 13 Standorten vor Ort aufgestellt. Ziel ist die Information über das Schutzgebiet und die wichtigsten Ge- und Verbote. Insbesondere die Einhaltung des Wegegebotes und die Anleinpflicht zur Brutzeit sind für die Bemühungen zum Schutz der Vogelwelt der Hellwegbörde von wichtiger Bedeutung.

Hermann Knüwer, UNB Kreis Unna, Thomas Raulf, Hellweger Anzeiger, Heinz-Wilhelm Büscher, Landwirtschaftsverband und Kreislandwirt Henrik Plaas-Beisemann beim Pressetermin im Vogelschutzgebiet anläßlich der Schildaufstellung

In den PMR Wilhelmshöhe (Strickherdicke), Hemmerde und Bausenhagen werden aufgrund der dort vorhandenen Artenausstattung vorrangig und in größerem Umfang Maßnahmen zum Schutz der Zielarten (u. a. Wiesen- und Rohrweihe, Wachtelkönig, Wachtel, Rotmilan, Mornellregenpfeifer, Kiebitz) durchgeführt.

NSG Kiebitzwiese: Erster Bruterfolg des Weißstorches in der Ruhraue

Weißstorch
Flügger Jungstorch am 26.07.2019 im Naturschutzgebiet Kiebitzwiese in Fröndenberg Foto: Gregor Zosel

Nach einigen Anläufen hat es in diesem Jahr erstmals geklappt – und nicht nur geklappert: Ein Jungvogel des Weißstorch-Paares auf dem Kunsthorst im Naturschutzgebiet Kiebitzwiese in Fröndenberg ist flügge und hat den Horst verlassen. Ein zweiter Jungvogel hat es wohl nicht geschafft. Schon seit Wochen fiel er durch seine geringe Größe und dadurch auf, dass er nicht im Horst stand sondern immer nur hockte.

Gregor Zosel, Naturschutzwächter in Westick, hat am 26.07.2019 die ersten Flugversuche des überlebenden Jungstorches beobachten und dokumentieren können. Für das Ruhrtal ist dies die erste registrierte erfolgreiche Naturbrut.

Beigetragen zu diesem Erfolg haben auch die Stadtwerke Fröndenberg, die 2012 die Finanzierung der aufgestellten Nisthilfe übernahmen!

Feldvogelschutz: Hotspotgespräche mit der Landwirtschaft

Rechtzeitig vor der Getreideernte, der Einsaat der Winterungen und Zwischenfrüchte haben Anfang Juli die “Hotspot-Gespräche” zwischen der Landwirtschaftskammer, dem Landwirtschaftsverband, den bewirtschaftenden Landwirten, dem Kreis Unna und der Biologischen Station stattgefunden.

Hotspotgespräch mit den anliegenden Landwirten, der Landwirtschaftskammer, dem Kreis Unna und der Biostation in Werne am 05.07.2019 Foto: Hermann Knüwer

Ziel der Gespräche in den noch vorhandenen Schwerpunktvorkommen von Kiebitz und Co. – den “Hotspots” – ist die Abstimmung der Fruchtfolge und die Einwerbung von Feldvogel-Schutzflächen. Moderiert vom Geschäftsführer der Landwirtschaftskammer Ruhr-Lippe, Harald Lopotz, wurde gemeinsam mit den Landwirten die Feldbestellung um die bestehenden Vertragsnaturschutz-Schwarzbrachen koordiniert. Die langjährigen Kiebitzbrutplätze in den Schwerpunkt-Gebieten sind als Schwarzbrachen mehrjährig vertraglich gesichert – im Frühjahr hat die Art hier optimale, störungsfreie Fortpflanzungsbedingungen. Damit die Kiebitze auch im Folgejahr den geschützten “schwarzen” Acker als Neststandort wählen, sind die umliegenden Bewirtschafter in den Hotspotgesprächen informiert worden, angrenzende Flächen im Rahmen ihrer Fruchtfolge mit Wintergetreide einzusäen oder die Winter-Zwischenfrucht bis in den April hinein stehen zu lassen. Beides wird von den Kiebitzen aufgrund des höheren Aufwuchses zur Anlage der Nester gemieden.

Auch die Rotation der Schutzflächen zur Verringerung der Prädation und der Betroffenheit einzelner Landwirte sowie die Einwerbung neuer Vertragsflächen wurde konstruktiv diskutiert.